Obsolete Dekubitusprophylaxe

Dieses Foto zeigt einige Eiswuerfeldocument info Im Bereich der Dekubitusprophylaxe werden schon seit Jahrhunderten immer wieder verschiedene Methoden und Stoffe eingesetzt. Die wissenschaftliche Evidenzsuche dazu befindet sich noch im Aufbau, Einiges wurde jedoch schon erforscht und als ungeeignet bezeichnet. Bei manchem führen auch theoriebasierte Grundlagen zu einem Für oder Wider. 

Die nun folgenden angeführten Stoffe und Methoden wurden in ihrer Tauglichkeit zur Dekubitusprophylaxe untersucht.

exclamation Die erste Tabelle zeigt die für diese Übersicht verwendeten Quellen, in den folgenden Tabellen werden die Quellen jeweils mit dem zugeordneten Buchstaben angegeben.

 

search plus Quellen (Stand 18.2.2012, 18.00):

(A) "Dekubitus- Pflegeratgeber" IGAP Link
(B) "Prevention and Treatment of pressure ulcers: quick reference guide." European Pressure Ulcer Advisory Panel and National Pressure Ulcer Advisory Panel.  Washington DC 2009 Link
(C) "Dekubitus- Entstehung, Prophylaxe und Versorgung" Kerstin Protz, Geriatrie-Journal 2006 Link
(D) "Grundsatzstellungnahme Dekubitus" Projektgruppe 32 2001 Link
(E) "Internationale Übersicht. Dekubitusprophylaxe. Druck,Scherkräfte, Reibung und
Mikroklima im Kontext. Ein Konsensusdokument"
Wounds International, London 2010 Link
(F) „Dekubitusprophylaxe im Sinne des Expertenstandards“ in „Pflegepraktischer Umgang mit Dekubitus“ Hellmann, Rösslein; Schlütersche Verlagsgesellschaft; S. 70 2007



 

1)    Massage dekubitusgefährdeter Hautstellen
(A)  "Verbot von: (...) Massage der gefährdeten Hautstellen"
(B), S.14  „Massage ist bei Vorliegen einer akuten Entzündung, geschädigten Gefäßen oder verletzlicher Haut kontraindiziert. Massage kann nicht als präventive Maßnahme zur Dekubitusvermeidung empfohlen werden.“
(C)  nicht erwähnt
(D), S.31  „Massagen zur Förderung der Hautdurchblutung sollten nicht durchgeführt werden, da deren fehlende Wirksamkeit durch Studien bewiesen werden konnte (…) (DEUTSCHES NETZWERK FÜR QUALITÄTSSICHERUNG IN DER PFLEGE 2000).“
(E), S.18  „Hautreibungen sind eine antiquierte Praxis, die leider an einigen Orten noch vorgenommen wird. Wenn das Personal auf bereits geröteten und entzündeten Geweben herumreibt, besteht die Möglichkeit eines Schadens der darunter liegenden Blutgefäße und/oder der fragilen Haut (…)“
(F), S.70  „(…) und Massagen fördern nicht nachhaltig die Durchblutung der Haut“

 

2) Hautreizende, allergenisierende Mixturen, z. B. Franzbranntwein, Alkohol
(A)  „Auch alkoholische Einreibungen, wie z. B. mit Franzbranntwein, sind zur Dekubitusprophylaxe nicht geeignet, da Alkohol zur Austrocknung der Haut führt. Häufig äußern Patienten jedoch den Wunsch, wegen des erfrischenden Effekts mit Franzbranntwein eingerieben zu werden. Diesem Wunsch kann unter Umständen im Hinblick auf eine individuelle, patientenbezogene Pflege nachgekommen werden. Jedoch sollte die entsprechende Hautpartie mit einem W/O-Präparat nachbehandelt werden.“
(B)  nicht erwähnt
(C)  nicht erwähnt
(D), S.30  Ungeeignet, wegen Austrocknung und Entfettung der Haut, Schädigung der Hautflora, ... (Sellmer 1998a)
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  „Alkohol und Franzbrantwein entfetten die Haut. Zudem können in der Haut kleine Risse entstehen. Diese stellen eine Eintrittspforte für nicht erwünschte Keime dar.“

 
 

3) Seife
(A) "Warmes Wasser schädigt die Haut stärker als kaltes. Folglich sollte möglichst kühles Wasser ohne Waschzusätze verwendet werden. Kann aufgrund von Verunreinigungen (z. B. mit Kot) nicht auf reinigende Substanzen verzichtet werden, sollten flüssige, waschaktive Substanzen benutzt werden. Diese Lotionen haben einen großen Anteil an rückfettenden Bestandteilen, die jedoch in der Regel nicht ausreichen, um den ursprünglichen Zustand der Haut wiederherzustellen. Nach dem Gebrauch von Seifen und Waschlotionen sollte mit klarem Wasser nachgewaschen werden. Handelt es sich bei der Haut des zu Pflegenden um eine ausgesprochen trockene und spröde Haut, sollten möglichst Ölbäderzusätze benutzt werden. Bei Ölbädern ist darauf zu achten, dass es sich um Emulsionen handelt, die sich mit dem Wasser gut mischen. Die Verwendung von reinem Öl, wie z.B. Babyöl, im Waschwasser hat keinen Nutzen, da dieses Öl lediglich auf der Wasseroberfläche schwimmt und nicht in die Haut einzieht."
(B)  nicht erwähnt
(C)  nicht erwähnt
(D), S.30  „Bei trockener Haut sollten keine Seifen zur Körperreinigung, bei vorliegendem Dekubitusrisiko sollten Seifen möglichst nur bei groben Verschmutzungen eingesetzt werden. Werden Seifen oder andere Waschzusätze benutzt, sollte mit klarem Wasser nachgewaschen werden. Reinigungsschäume enthalten häufig Tenside, die die Haut angreifen können. Daher sollten Reinigungsschäume mit klarem Wasser abgewaschen werden (BIENSTEIN 1997a).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.68 "(...) Zu beachten ist dabei, dass Maßnahmen wie zum Beispiel Waschungen mit alkalihaltigen Seifen den natürlichen Hydrolipid-Haushalt, den Säureschutzmantel oder die normle Temperatur der Haut beeinträchtigen und zur Austrocknung beitragen."

 

4) Porenverstopfende Fettsubstanzen, z. B. Vaseline, Babyöl, Melkfett
(A)  „Die Anwendung dieser Produkte ist nicht zu empfehlen, da aufgrund der Abdichtung der Hautporen keinerlei Wärmeaustausch stattfinden kann. Zudem befinden sich in Melkfett und Vaseline häufig unerwünschte Zusätze von Antibiotika oder Desinfektionsmittel.“
(B)  nicht erwähnt
(C)  „Melkfett, Babyöl, Zink-, Lebertranpaste bedecken die Haut mit einem regelrecht dicken „Schmierfilm“ und verkleistern die Poren. Der Gasaustausch mindert sich und unterhalb dieser Substanzen trocknet die Haut noch weiter aus.“
(D), S.30  „Die Verwendung reiner Fette (Vaseline) und Öle (Olivenöl, Babyöl) ist ungeeignet, weil sie den Wasser- und Wärmeaustausch über die Haut verhindern (SELLMER 1998a).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  "Pasten, Salben, Cremes wie Melkfett, Vaseline, Zinkpaste (trocknen die haut aus, die Hautbeobachtung wird behindert) verschließen die haut."

 

5) Hautabdeckende Pasten und Puder, z. B. Pasta zinci, Babypuder
(A)  „Die weiße Paste deckt die Haut optisch ab und macht eine Hautbeobachtung schwierig. Zinkoxid hat zudem auf intakter Haut keine sinnvolle Funktion, es trocknet die Haut sogar aus.“
(B)  nicht erwähnt
(C)  „Melkfett, Babyöl, Zink-, Lebertranpaste bedecken die Haut mit einem regelrecht dicken „Schmierfilm“ und verkleistern die Poren. Der Gasaustausch mindert sich und unterhalb dieser Substanzen trocknet die Haut noch weiter aus.“
(D)  ungeeignet, "Zinkoxid trocknet die Haut aus, Abdeckung erschwert Hautbeobachtung" (Sellmer 1998a)
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  „Körperpuder binden zwar Wasser, aber durch die Nässe bilden sich scharfkantige Partikel, die die Haut verletzen können.“

 

6) Hyperämisierende Substanzen, wie ABC-Salbe, Phlogont, Phardol
(A) "Verbot von: (...) Hyperämisierende Substanzen wie ABC-Salbe, Phlogont, Phardol"
(B)  nicht erwähnt
(C)  nicht erwähnt
(D), S.30  "Hyperämie zur Dekubitusprophylaxe ungeeignet" (Sellmer 1998a)
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  „Hyperämisierende Hautpflegemittel (…) fördern nicht nachhaltig die Durchblutung der Haut“

 

7) Eisen und Föhnen
(A)  „Jahrelang wurde die prophylaktische Maßnahme des "Eisens und Fönens" praktiziert. Durch die Kalt-Warm-Wechselwirkung versprach man sich die Blutzirkulation im Gewebe zu verbessern. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass sich diese nicht verbessert und außerdem die Haut durch das Einreiben mit Eis geschädigt wird. Das anschließende Föhnen trocknet die Haut zusätzlich aus. Die Untersuchungsergebnisse lassen dementsprechend die Anwendung dieser Methode zur Dekubitusprophylaxe nicht weiter zu.“
(B)  nicht erwähnt
(C)  nicht erwähnt
(D), S.31  „(...) Die auch heute noch vielfach eingesetzte abwechselnde Kälte-Wärme-Behandlung („Eisen und Fönen“) der Haut ist völlig ungeeignet zur Förderung der Hautdurchblutung bzw. kontraproduktiv und darf daher nicht eingesetzt werden (DEUTSCHES NETZWERK FÜR QUALITÄTSSICHERUNG IN DER PFLEGE 2000).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  „Eisen und Fönen ist wirkungslos und trocknet die Haut aus“

 

8) Schaffelle
(A) "Nach dem heutigen pflegewissenschaftlichen Stand sollten folgende Hilfsmittel nicht mehr zur Versorgung von Dekubituspatienten eingesetzt werden: Felle, Wassermatratzen, Sitzringe, Watteverbände"
(B), S.22  „Verwenden Sie keine synthetischen Schaffelle, ausgeschnittene oder ringförmige Hilfsmittel und mit Wasser gefüllte Handschuhe“ , „Natürliche Schaffelle können möglicherweise bei der Prävention von Dekubitus hilfreich sein.“
(C) "Lagerungsfelle und Fellfersenschoner sind unhygienisch und bieten keine adäquate Druckentlastung. Da Patienten auf dem Fell z.T. stark schwitzen, kann es nicht nur zu Hautproblemen kommen, sondern auch zu Verklumpungen, die ein zusätzliches Druckrisiko darstellen."
(D), S.28 bzw. S.44  „Die Schaffellen zugesprochene Funktion der Reduktion von Scherkräften konnte bisher nicht ausreichend nachgewiesen werden. Es gilt allerdings als gesichert, dass Schaffelle nicht zur Weichlagerung beitragen. Der Einsatz von Fellen und Watteverbänden wird wegen der fehlenden Wirksamkeit bzw. auch wegen des Nachweises der Unwirksamkeit bezüglich der Druckreduzierung nicht empfohlen (DEUTSCHES NETZWERK FÜR QUALITÄTSSICHERUNG IN DER PFLEGE 2000, SCHRÖDER et al. 1997).“ „Felle, sowohl Naturfelle (Schaffelle) als auch Synthetikfelle, gelten nicht als weichlagernd im Sinne der Vergrößerung der Auflagefläche. Ihnen wird die Funktion zugeschrieben, Scherkräfte herabzusetzen. Sie verlieren diese Funktion aber, wenn
sie als Ellenbogen- bzw. Fersenschalen etc. am Körper fixiert werden (SCHRÖ-
DER et al. 1997).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.67 "Der Einsatz einer Reihe von Hilfsmitteln, wird wegen des Nachweises der Unwirksamkeit hinsichtlich der Druckreduzierung nicht empfohlen, zB: Felle, (..), Wasserkissen, Watteverbände, Gummiringe, (...)"



9) Wassergefüllte Kissen/Handschuhe
(A)  "Nach dem heutigen pflegewissenschaftlichen Stand sollten folgende Hilfsmittel nicht mehr zur Versorgung von Dekubituspatienten eingesetzt werden: Felle, Wassermatratzen, Sitzringe, Watteverbände"
(B), S.22  „Verwenden Sie keine synthetischen Schaffelle, ausgeschnittene oder ringförmige Hilfsmittel und mit Wasser gefüllte Handschuhe“
(C)  nicht erwähnt
(D), S.27 bzw. S.46  „Wasserkissen sollten nicht mehr angewandt werden, da nachgewiesen werden konnte, dass der Auflagedruck auf einem Wasserkissen im Vergleich zu anderen Unterlagen wesentlich erhöht ist (SCHRÖDER et al. 1997).“ „Wassergefüllte Kissen sind nicht nur aufgrund ihrer hohen Wärmeleitfähigkeit und
daher ihres körpertemperatursenkenden Effektes, vielmehr auch ob des Seegangeffekts der ungekammert großen Wassermassen und den hieraus resultierenden hohen Scherkräften auf die druckulkusgefährdete Haut ungünstig. Ihr Einsatz mit der Zielrichtung einer Dekubitusprophylaxe oder auch im Rahmen der Dekubitustherapie gilt heute als obsolet (SCHRÖDER et al. 1997).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.67 "Der Einsatz einer Reihe von Hilfsmitteln, wird wegen des Nachweises der Unwirksamkeit hinsichtlich der Druckreduzierung nicht empfohlen, zB: Felle, (..), Wasserkissen, Watteverbände, Gummiringe, (...)"



10) Luftringe
(A)  "Nach dem heutigen pflegewissenschaftlichen Stand sollten folgende Hilfsmittel nicht mehr zur Versorgung von Dekubituspatienten eingesetzt werden: Felle, Wassermatratzen, Sitzringe, Watteverbände"
(B), S.22  „Verwenden Sie keine synthetischen Schaffelle, ausgeschnittene oder ringförmige Hilfsmittel und mit Wasser gefüllte Handschuhe“
(C) "Luftringe und Lochkissen ermöglichen zwar mittig eine Entlastung, aber am Rand ist der Druck unverhältnismäßig höher. Daher kommt ihr Einsatz heutzutage nicht mehr in Frage."
(D), S.27 bzw. S.44  „Aufblasbare Gummiringe sind nicht mehr zu verwenden, da sich bei dieser Art der Hohllagerung der Auflagedruck der aufliegenden Regionen erhöht (KÄMMER & HUHN 1999).“ „Hohllagernde Ringe entlasten definierte Gewebsregionen vollständig. Durch den
persistierenden erhöhten Auflagedruck in den randständigen Belastungszonen resultiert allerdings die Gefahr eines Fensterödems im Entlastungsbereich. Aus diesem Grund sollten ringförmig hohllagernde Systeme heute nicht mehr eingesetzt
werden (U.S. DEPARTMENT OF HEALTH AND HUMAN SERVICES 1994, KANJ
1998, BANKS 1998).“
(E)  nicht erwähnt
(F), S.67 "Der Einsatz einer Reihe von Hilfsmitteln, wird wegen des Nachweises der Unwirksamkeit hinsichtlich der Druckreduzierung nicht empfohlen, zB: Felle, (..), Wasserkissen, Watteverbände, Gummiringe, (...)"



11) 90°-Lagerung
(A)
(B) "Vermeiden Sie Lagerungen, die zu einer Druckerhöhung führen, zB (...) 90 Grad-Seitenlage (...)."
(C) "Die ehemals weit verbreitete 90°-Lagerung sollte keine Anwendung mehr finden, da sie nur eine Problemverschiebung darstellt: der Dekubitus an der Sakralregion wird zwar verhindert, entsteht dafür nun aber an der Hüfte."
(D), S.28  „Die 90º-Lagerung gilt heute als obsolet, weil dabei ein Hauptteil des Körpergewichtes auf dem Trochanter liegt (BINDSCHEDLER 1998).“
(E) "Für Patienten im Bett sollten Positionen wie die 90°-Seitenlagerung oder die halb nach hinten geneigte Position vermieden werden, da diese den Druck über dem knöchernen Trochanter- bzw. Sakralvorsprung erhöhen"
(F)

 

12) Desinfektionsmittel zur Dekubitusprophylaxe
(A) "Verbot von: (...) Desinfektionsmittel"
(B)  nicht erwähnt
(C)  nicht erwähnt
(D), S.30  ungeeignet wegen "allergische Reaktion, Schädigung der Hautflora" (Sellmer 1998a)
(E)  nicht erwähnt
(F), S.70  
„Desinfektionsmittel und Antiseptika nicht prophylaktisch anzuwenden, da sie die normale Hautflora schädigen“

 

13) Sonstiges


„Es ist zu beachten, dass die Kombination von verschiedenen Lagerungsmaterialien
und Pflegestrategien deren Einzelwirkungen aufheben oder zumindest beeinträchtigen kann (z.B. die Fellauflage auf der Schaumstoffmatratze, ein straff gespanntes Betttuch über einem Wechseldrucksystem).“  (D, S.51)

 


 

administrator Peter Jäger, 20.8.2012

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